Wir sind wieder zurück in Havanna und wechseln von Mietauto auf Bus. Wir erleben stürmisches Wetter in Havanna und beobachten stundenlang fasziniert, wie die Fahrbahn am Malecon immer wieder von Meerwasser überschwemmt wird.
Wir fahren mit dem Nachtbus 15 Stunden von Havanna bis nach Santiago de Cuba. Der Bus ist bis auf den letzten Sitz ausgebucht und nicht gerade geräumig. Die Klimaanlage bläst unbarmherzig auf uns herab, aber wir sind vorbereitet und können zum ersten Mal wieder lange Hosen und dicke Fleecejacken tragen. Nicht ganz frisch steigen wir am Morgen in Santiago aus. Santiago ist die zweitgrösste Stadt Kubas und wurde 2012 vom Hurrikan Sandy ziemlich verwüstet. Historisch ist die Stadt wichtig, weil sich hier 1898 die Amerikaner in den Unabhängigkeitskrieg gegen die Spanier einmischten und sie besiegten. Die. Kubaner wurden damit zwar unabhängig von den Spaniern, ihnen wurde aber ein Vertrag aufgezwungen, der sie politisch und ökonomisch von den Amerikanern abhängig machte. Außerdem befindet sich in Santiago die Moncada-Kaserne, auf die Fidel Castro am 26. Juli 1953 einen Angriff startete. Der Angriff mißlang zwar, das Datum gilt aber als Beginn der Revolution.
Nach 2 Tagen fahren wir mit dem Bus weiter in den Westen nach Baracoa. Baracoa ist ein idyllisches kleines Städtchen umgeben von tropischem Regenwald. Hier werden 80% des Kakaos geerntet und hier steht auch die einzige Schokoladenfabrik Kubas. Wir haben im Bus zwei Mädchen kennengelernt- Katrin und Daniela- mit denen wir die nächsten Tage verbringen.
Mit unserem Guida Ronaldo machen wir einen Ausflug in das Tal des Yumuri- Flusses. Wir wandern durch Wälder von Palmen, Bananen-, Mango-, Avocado-,Kakao- und Kaffeebäumen. Dazwischen erfrischen wir uns beim Schwimmen im Fluss. Krönender Abschluss ist ein Abendessen am Strand.

Wir besuchen einen Landwirtschaftskooperative und probieren Kakao und Schokolade in unterschiedlichster Form.
Am nächsten Tag lassen wir uns zum wunderschönen Playa Manguana fahren.
Auf der Rueckfahrt von Baracoa nach Santiago laesst uns der Busfahrer in einem Hotel raus und meint, in 20 Minuten sollen wir wieder zum Bus kommen. Nach 90 Minuten sitzen wir noch immer, zunehmend verzweifelt in Guantanamo fest.
Mehr Photos gibt es uebrigens auf Roberts Seite unter www.seetime.net.
Nach einem Monat Kuba wollte ich auch ein bißchen darüber schreiben, was mir hier aufgefallen ist. Wir haben sehr viele unzufriedene Menschen getroffen. Viele Errungenschaften des sozialistischen Systems wie das kostenlose und sehr gute Gesundheitssystem, der freie Zugang zum Bildungssystem sowie das Sozialsystem mit Arbeitslosenversicherung, Lohnfortzahlung bei Krankheit, Mutterschutz, Pensionssystem usw. werden als selbstverständlich erachtet. Dagegen erweckt der augenscheinliche materielle Reichtum der Touristen vor allem bei den jungen Kubanern großen Neid und führt zu Unzufriedenheit.
In Kuba gibt es zwei Währungen: eine nationale Währung und eine Devisenwährung. Wer im öffentlichen Sektor arbeitet, wird mit nationaler Währung bezahlt. Die Kaufkraft der nationalen Währung ist allerdings sehr gering und viele Non-Food Artikel und auch bessere Restaurants können nur in Devisenwährung bezahlt werden. Daher drängen immer mehr Menschen in den Tourismussektor. Unsere häufigsten Unterkunftsgeber sind daher nicht zufällig Ärzte, die nur noch wenige Stunden pro Woche im Krankenhaus arbeiten, weil sie viel mehr Geld mit der Vermietung verdienen. Wer kein Zimmer zu vermieten und keine Auto zum Taxifahren hat, wird Vermittler und nascht so ein bißchen mit. Um die Touristen hat sich ein enges Netzwerk an Dienstleistern oder vermeintlichen Dienstleistern ausgebildet. Das führt dazu, dass wir sehr mißtrauisch geworden sind, weil die nur auf wirtschaftliches Interesse ausgerichteten Kontakte weitaus häufiger sind als normale zwischenmenschliche Kontaktaufnahmen. Teilweise ist der wirtschaftliche Nutzen auch sehr versteckt oder wird uns erst später offenbar. Beliebt sind zum Beispiel Speisekarten mit unterschiedlichen Preisen. Wenn wir von einem netten Einheimischen ein Lokal empfohlen bekommen, der darauf besteht uns auch noch persönlich hinzubringen, bekommen wir die teureren Speisekarten vorgesetzt und der Vermittler erhält die Differenz. Nach 4 Wochen kennen wir viele Tricks, werden aber noch häufig von dem Einfallsreichtum der Kubaner überrascht.
Schoen anzuschauen sind die Uniformen, die es fuer alle moeglichen Berufsgruppen gibt und die fuer Frauen immer aus einem ultrakurzen Rock besteht, unter dem dann auch die Politesse gerne Netzstruempfe traegt. Elektronischen Luxus wie Computer, Handy und Flachbildfernseher besitzen fast ausschließlich Kubaner mit Verwandten im Ausland, die regelmäßig Devisen schicken.
Die Reisefreiheit der Kubaner besteht vor allem auf dem Papier- kaum ein Kubaner kann sich eine Auslandsreise leisten und ein Visum zu bekommen ist sehr schwierig.
Stabilisiert wird das System trotz aller Unzufriedenheit von einem sehr ausgeprägten Nationalstolz der Kubaner, der von Seiten des Staates mit Propaganda gezielt geschürt wird. Außerdem fürchten die Kubaner, dass nach einem Sturz des Regimes vormals enteignete US- Firmen und Exilkubaner Besitzansprüche anmeldeten und das Land dadurch zu vorrevolutionären Zuständen zurückkehrte.
Kuba ist trotz allem ein herrliches Reiseland. Es ist für Touristen sehr sicher, da die Strafen für Raub sehr hoch sind und das Spitzelsystem gut ausgebildet ist. Fast in jeder Gasse befindet sich eine Filiale des CDR, des Komitees zur Verteidigung der Revolution. Es ist landschaftlich ein wunderschönes Land, in dem die Entwicklung aufgrund der wirtschaftlichen Schwierigkeiten stehengeblieben ist. Da im Tourismussektor ausländische Firmen nur sehr begrenzt investieren dürfen, fehlen auch die Hotelburgen- Ausnahme davon ist Varadero.
Unser Resuemee nach einem Monat Reisen:
1. Unsere Reisegmeinschaft hat sich gut entwickelt. Manchmal lache ich noch ueber Roberts Scherze, zumindestens ein gequaeltes Laecheln bekommt er aber immer.
2. Wir sind mittlerweile erfahrene Backpacker; taegliche Quartierwechsel schrecken uns nicht mehr. Hat Robert zu Zeiten des Leihautos noch gerne grosse Teile seines Gepaecks in Plastiksaecken in den Kofferraum ausgelagert, passt mittlerweile fast alles in den Rucksack.
3. Unser Spanisch hat sich um mindestens 900% verbessert, auch wenn es bei Robert zeitweise wie Vorarlbergerisch klingt.
4. Ich bin knallhart im Verhandeln geworden- aber nur mit Robert.
Jetzt sind wir wieder auf der Rückreise nach Havanna, von wo wir übermorgen nach San Jose fliegen. Hasta luego!























Hallo Petra (und unbekannterweise auch Robert),
habe gerade zum ersten Mal Deinen Reisebericht gelesen, und muß sagen: super!
Du hast Cuba wieder zurückgebracht auf die Liste von Ländern, die ich mal besuchen möchte. Auch die Fotos sind toll.
Wünsche euch viel Spass in San José.
Grüsse aus dem langsam immer kälter werdenden Berlin
Daniel