Mit meinen ehemaligen Arbeitskollegen aus Berlin, Beatrice und Andrei, verbringe ich den Karneval in Olinda. Olinda veranstaltet gemeinsam mit der 10 km entfernten Stadt Recife den drittgrößten Karneval in Brasilien. Laut meinem Reiseführer gibt es in Olinda den traditionellsten Strassenkarneval, was mich schon letzten Sommer dazu motiviert hatte, eine kleine Kitnet zu einem stark überhöhten Preis zu buchen. Die lokale Musik zum Karneval nennt sich Frevo und der dazugehörige Tanz wird alleine mit einem kleinen Schirm in der Hand getanzt. Schon am Flughafen in Recife wird neben dem Gepäckband Frevo gespielt und getanzt.

Unsere Unterkunft ist klein, aber gemütlich. Die Vermieterin Graça, die gleich nebenan wohnt, kümmert sich rührend um uns. Am ersten Morgen bringt sie uns zum Frühstück eisgekühltes Bier.

Bald erfahren wir, was es bedeutet, in einer der Hauptkarnevalsstrassen zu wohnen. Ab 8 Uhr in der Früh tanzen Blocos, lokale Karnevalsgruppen, mit Musikern und Anhängern durch unsere Strasse. Da es keine Fenster gibt, sind wir live dabei.

Blick aus dem Fenster

Die berühmten Riesenpuppen, bonecos





Der Karneval in Olinda dauert täglich bis ca. 22 Uhr, dann beginnen die notwenigen Aufräumarbeiten. Nachts geht es in Recife weiter. In Recife ist der Karneval etwas größer organisiert mit Bühnen, an denen den ganzen Tag und die ganze Nacht Programm ist.


Die grösste Bühne am Marco Zero

Der grösste Karnevalsumzug der Welt

Frevo


Am 2. Tag wollen Andrei und ich schon vormittags nach Recife fahren, weil ich gelesen hatte, dass Seu Jorge, ein bekannter Sänger aus Rio, ein Konzert gibt. Olinda und Recife sind großräumig abgesperrt; Taxis können nicht fahren und der Busverkehr ist etwas chaotisch. Wir fragen uns durch und erreichen die richtige Haltestelle. Der überfüllte Bus bleibt stehen, ich quetsche mich rein und stelle erst während der Fahrt fest, dass Andrei nicht eingestiegen ist. Mein Handy habe ich sicherheitshalber natürlich nicht mitgenommen. Ich warte in meiner recht auffälligen Verkleidung als strahlende Sonne mit gelbem Kopfschmuck an der Strasse, sehe Andrei aber nicht wieder. Ein blinder Einheimischer, dem eigentlich ich über die Strasse helfen wollte, nimmt sich meiner an und bringt mich mit dem Bus so weit wie möglich zu der von mir gewünschten Adresse. Zuversichtlich mache ich mich auf den Weg zum Konzert und lande im weltweit grössten Faschingsumzug, Galo da Madrugada, mit etwa einer Million Teilnehmer. Kurzum ich hörte Seu Jorge nicht, lernte aber nette Einheimische kennen, mit denen ich bis spät nachts durch die Strassen ziehe.
Einer meiner neuen Bekannten, Jardel, nimmt mich am nächsten Tag mit in die Vorstadt von Recife zum Karneval der Einheimischen. Es spielt eine Sambaband und Jardel meint, dass ich für eine Gringa sehr gut Samba tanze. Was für ein Kompliment.

Nach 4 Tagen Karneval gönnen wir uns eine Pause und machen uns mit dem Bus auf nach Norden auf die Ilha Itamaracá, wo wir die Ruhe am Strand genießen. Ich verzichte aufs Schwimmen, da es in der Gegend um Recife die meisten Haiattacken in ganz Südamerika gibt.
Am Aschermittwoch ist der Spuk vorbei; nur noch vereinzelte, spontan organisierte Blocos wollen das Ende des diesjährigen Karnevals noch nicht wahrhaben. Wir genießen, uns beim Frühstück unterhalten zu können und nützen die leeren Straßen für eine Besichtigung von Olinda. Die Stadt ist seit 1982 aufgrund ihres geschlossenen kolonialen Bildes Weltkulturerbe. Wir spazieren durch steile Altstadtgassen und bewundern die bunten Häuserreihen sowie die zahlreichen Kirchen. Krönender Abschluss ist ein letztes Tapioca mit Käse und Kokoraspeln am höchstgelegenen Platz der Stadt.

Beatrice, Andrei und ich

Das beste Tapioca der Stadt

Olinda mit seinen kleinen Häusern und dahinter die Skyline von Recife