Wir verbringen eine, aufgrund der 3 Stunden Zeitverschiebung, sehr kurzen Nacht im Flugzeug und landen in der Früh in Rio de Janeiro. Das Taxi bringt uns immer weiter steil bergauf in das Künstlerviertel Santa Teresa. Ich habe uns über airbnb ein Zimmer in einem Favelahaus gebucht. Eine Besonderheit von Rio de Janeiro ist, dass Favelas nicht nur in den Randgebieten der Stadt, sondern überall an den steilen Hängen zwischen normalen Wohnvierteln zu finden sind. Die Favela Perreira ist relativ klein und befriedet. Der Hausherr ist Axel, ein Franzose, den vor einigen Jahren das Lebensgefühl und der Ausblick hier so begeistert haben, dass er ein Haus erworben hat. Der Unterschied zu einem normalen Hauskauf besteht darin, dass Axel keinerlei Papiere besitzt, weil die Häuser in der Favela offiziell gar nicht existieren. Es gibt hier keine Bauordnung- die Häuser sind neben- und übereinander gebaut worden, fügen sich ineinander und sind ständigen Veränderungen unterworfen. Axel nennt es organisch. Das Haus besteht aus 3 Stockwerken: Touristen können sich im obersten Stockwerk einmieten; in den unteren 2 Stockwerken befinden sich Wohngemeinschaften mit einer Mischung aus Einheimischen, Europäern und Südamerikanern. Der Blick auf den Südteil der Stadt und den Zuckerhut ist wirklich atemberaubend.
Unser Viertel Santa Teresa ist ein buntes Künstlerviertel, in dem sich viele Europäer niedergelassen haben. Bis zu einem schweren Unfall 2011 hat sich durch die engen, kurvigen Gassen die “Bonde”, eine gelbe Strassenbahn, geschlängelt. Jetzt wird man in kleinen Bussen auf den kopfsteingepflasterten Strassen ordentlich durchgeschüttelt. Taxifahrern muss man gut zureden, damit sie überhaupt hinfahren.
Vom wunderschönen Parque das Ruinas hat man einen guten Rundblick.
- Copacabana, der berühmte Stadtteil Rios, mit dem elendslangen Atlantikstrand.
Natürlich fahren wir auch auf den Zuckerhut.
Wir besuchen den aus mehreren Favelas bestehenden Complexo do alemao, der 2010 befriedet und 2011 durch eine Gondelbahn mit 6 Stationen erschlossen wurde. Hier leben ca. 70.000 Menschen.
Mich begeistern die Stimmung in der Stadt, die schöne Sprache, die ich so gerne verstehen würde, und auch das Leben im Haus und in der Favela. Ich beschliesse, nach den kommenden, bereits durchgeplanten Wochen, wieder nach Rio zu kommen. Ich miete bei Axel ein Zimmer einen Stock tiefer und buche einen Sprachkurs.
Aber zuerst einmal geht es ins Landesinnere nach Goiania, wo ich mit Gernot bei Carlos Familie die Feiertage verbringe. Für die unter Euch, denen diese Namen nichts sagen: Gernot ist mein bester Freund aus Graz; Carlos ist Gernots brasilianischer Freund aus Hamburg. Gernot, Carlos und mein Bruder Arthur haben Anfang des Jahres das revolutionäre Internet-Reiseportal TripRebel ( www.triprebel.com) gegründet, was ihnen jetzt erlaubt, dem kalten Hamburger Winter nach Brasilien zu entkommen.

















